
Hi,
ich bin Celina und ich sitze jetzt gerade mit meiner (Gast)familie im Wohnzimmer und habe jede menge Spass mit meiner kleinen Schwester. Haette mir das einer vor zehn Monaten erzaehlt, haette ich ihm kein Wort geglaubt. Am Anfang meines Austauschjahres hier in Neuseeland hatte ich sehr Heimweh und wollte sofort wieder zurueck nach Hause. Zehn Monate spaeter ist hier in Neuseeland genauso mein Zu Hause, wie in Deutschland.
Als ich mich in Deutschland dazu entschieden habe fuer ein Jahr ins Ausland zu gehen, war ich mir selbst nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung ist und hatte das Gefuehl, dass viele Leute es mir anfangs auch nicht zugetraut haetten. Aber mit der Zeit wuchs bei mir dann auch die Freude, Anspannung und mein Selbstbewusstsein.
Bevor ich gegangen bin, hat mir jeder erzaehlt, wie toll Neuseeland ist und was fuer ein super Jahr das werden wird und und und... und natuerlich glaubt man das dann auch alles und moechte es natuerlich auch glauben. Kaum jemand denkt wirklich viel und ausfuehrlich drueber nach, dass es auch schwere Zeiten geben wird, Tage, an denen man denkt, was mach ich hier eigentlich?´.
Fuer mich war zum Beispiel der Anfang, als ich im Juli 2008 dann endlich in Neuseeland angekommen bin, sehr schwer. Ich kannte niemanden und es war doch sehr anders, als Deutschland. Wahrscheinlich habe ich es mir auch selbst schwer gemacht. Denn wenn du nicht hier sein willst, dann ist auf einmal auch alles schlecht und vor allem, was viel wichtiger ist, schlechter als in Deutschland.
Heute denke ich mir, dass ich allerdings auch nicht wirklich versucht habe, es positiv anzugehen und es zumindest mal zu probieren. Haetten meine Eltern nicht drauf bestanden, dass ich zumindest fuer ein paar Wochen bleibe, waere ich wahrscheinlich schon lange wieder zurueck in Deutschland und wuerde mich aergern, es nicht probiert zu haben.
Aber es ist okay Heimweh und auch mal Tiefpunkte zu haben, aber lasst sie euch nicht die Zeit verderben, denn letzendlich hatten alle, die auf mich eingeredet haben, Ratschlaege und Tipps gegeben haben, recht. Es ist Wahnsinn hier und es war ein super Jahr, das ich immer in guter Erinnerung haben werde und das sich nun langsam dem Ende naehrt.Aber trotzdem stimmt es schon auch, dass es nicht immer einfach ist. In so einem Jahr sind schon auch mal Tage, wo man denkt, wie schoen es jetzt doch waere daheim zu sein und wo man dann doch wieder vieles in Frage stellt.
Aber ich werde so viel mitnehmen aus diesem Jahr, dass es das wirklich wert war! Ich habe ein zweites zu hause, eine zweite Familie, jede menge neue Freunde und so viele Erfahrungen ueber eine andere Art Schule, einen anderen Lebensstil, eine andere Kultur und einfach Dinge, die ich hier gemacht habe, als eine once-in-a-lifetime-chance.
Schule ist sehr sehr unterschiedlich von der in Deutschland, was am Anfang auch teilweise schwer war und auch das Freunde finden, war doch haerter als gedacht. Da ihr hier in Jahrgagngsstufe 12 seid, wenn ihr kommt, duerft ihr die Faecher selbst waehlen, nur Mathe und Englisch sind Pflicht. Abgesehen davon koennet ihr aus einem weiten Spektrum waehlen; von den normalen Sachen wie Bio, Chemie, Erdkunde, Geschichte, Franzosisch bis zu Tanzen, Drama, Maori, Kochen, Design, Accounting, Sport science, Outdoor education und Technik.
Hier hat man jeden tag 5 Unterrichtsstunden, die auch je eine Stunde dauern, dann hat man noch Interval und Lunchtime, so dass man insgesamt von 8.45 Uhr bis 15.10 Uhr in der Schule ist und danach noch Sport angeboten wird.Da man somit jede Stunde mit einer neuen Klasse hat, muesste Freunde finden ja einfach sein, dachte ich mir. Allerdings waren die Kiwis nicht so zugaenglich, wie ich es mir vorgestellt und auch erhofft hatte. Es war richtig Arbeit Freunde zu finden, was vor allem daran liegt, dass es viele Internationals an der Schule gibt und Kiwis, einen oft nicht als Individuals sehen, sondern als Teil der Gruppe. Aber mit Zeit und Geduld und etwas Selbstueberwindung klappt auch das. Ihr muesst halt wirklich ein bisschen Engagement aufbringen und den Kiwis zeigen, dass ihr interessiert seid. Die Neuseelander haben ihre freunde und bemuehen sich jetzt nicht unbedingt um neue, deswegen muesst ihr, als derjenige, der Freunde will und braucht, einen Schritt auf sie zugehen. Das ist nicht immer einfach, aber wird ganz sicher hoch belohnt. Zum einen seid ihr danach stolz auf euch selbst und zum anderen sind die Kiwis echt super und werden Freunde fuer´s Leben bleiben.
Es hilft auch wirklich in Nachmittags-aktivitaeten, wie Sport aber auch Drama- oder Theaterstuecken, eingegliedert zu werden, da das der schnellste Weg ist, um Anschluss zu finden.
Heute bin ich unglaublich dankbar fuer das Jahr in Neuseeland und es wird mich in der Tat mein ganzes Leben lang begleiten und ich werde immer mit Freude an Neuseeland zurueck denken.
Ich glaube, es ist ganz normal, dass man irgendwann Heimweh kriegt und das ist auch okay, aber das sollte euch hier nicht die zeit verderben. Neuseeland ist ein wunderbares Land und der Mount ist die schoenste Location, die ich mir fuer ein Jahr vorstellen kann.
Am ende bleibt mir nur noch eins zu sagen: Es gibt nichts, das ihr nicht erreichen koennt; ihr muesst es nur lange genug versuchen und auf euch selbst vetrauen. Geniesst die Zeit und macht das Beste draus!
Celina

